Neuer Trendsport: Akro-Yoga in Erfurt im Test

Ich habe Angst. Und bin verunsichert. Andreas Fischer drückt mich mit seinen bestrumpften Füßen in die Höhe. Währenddessen gibt mir Cathleen Weber Hilfestellung und leitet die bevorstehende, für mich ungewohnte, Übung ein. Gemeinsam mit Franziska Biester vom Takt-Magazin teste ich in Erfurt akrobatisches Yoga, eine Sportart, die laut Andreas Fischer und Cathleen Weber noch recht jung ist. Seit Anfang Januar bieten die zwei Kurse in der Akademie für Bildung und Bewegung in Erfurt an.

Akro-YogaIch beuge mich nach vorne. Mit seinen Füßen an meinem Hüftknochen presst Andreas Fischer mich gen Hallendecke. Ich schwebe. Parallel zum Mattenboden. Und zittere dabei merklich. „Körperspannung“, beschwört mich Cathleen Weber. Franziska Biester und Andreas Fischer motivieren im Chor: „Ja, das machst du gut.“ Währenddessen läuft im Hintergrund Entspannungsmusik. Bei mir erfüllt sie offensichtlich nicht vollends ihren Zweck. Denn bei meiner ersten Akrobatik-Yoga-Stunde bin ich etwas verkrampft.

Ich merke, wie sich alle Muskeln meines Körpers anspannen

Ganz im Gegenteil zu Fischer und Weber: Bereits seit zwei Jahren betreibt das junge Trainerpaar den Sport, der 2003 in den USA erdacht wurde und bei dem Elemente der Entschleunigung aus dem Yoga mit Übungen aus der Akrobatik vereint werden. Die zwei Sportler lernten sich während des Studiums in Ilmenau kennen, wo sie gemeinsam in einer Wohngemeinschaft lebten. In der Hochschulstadt war Weber neben dem Studium Sportakrobatik-Trainerin und Mitglied bei den Ilm-Angels, den Cheerleadern der Technischen Universität. Auch Fischer sammelte dort erste akrobatische Erfahrungen. Gemeinsam strahlen sie dank ihrer Kenntnisse viel Ruhe aus. Weshalb sie wohl auch meine Kollegin und mich während unseres Testlaufes gut bei Laune zu halten vermögen.

Akro-Yoga„Und jetzt die Füße etwas zu dir ziehen“, erklärt mir Cathleen Weber, während ich Franziska bei einer weiteren Übung gen Himmel hebe. „Versuch deine Beine so weit wie möglich zu strecken“, fordert mich Andreas Fischer auf. Ich merke, wie sich alle Muskeln meines Körpers anspannen. Blut schießt in meinen Kopf. Mein Gesicht läuft rot an. Dabei versuche ich, Balance sowie Körperspannung zu halten – Und natürlich meiner Turnpartnerin nicht wehzutun.

Was ich augenscheinlich auch nicht mache. Denn sie grinst mich freudestrahlend an, während ihr zarter Körper parallel zum Boden, von meinen Füßen getragen, in der Luft schwebt.

„Du bist so beweglich wie ein Kleiderschrank“

Ihr geht das Ganze etwas leichter von der Hand als mir. Diese Vermutung bestätigten auch unsere Lehrmeister: Bei Franzi merke man, dass sie früher mal im Verein turnte, sagen sie. Da kann ich mit meiner eher zweifelhaften Fitnessstudio-Kondition natürlich nicht mithalten. „Du bist so beweglich wie ein Kleiderschrank“, scherzt Cathleen Weber. Ich müsse mich in Zukunft mehr dehnen, wenn ich im Alter von 70 Jahren nicht wie der Glöckner von Notre-Dame herumlaufen wolle. Akrobatisches Yoga sei dabei genau das Richtige, so die beiden Sportler. Dabei nutze man so ziemlich jeden Muskel des Körpers.

Akro-YogaUnd mehr: Durch die komplexen Positionen und Übungen werden Körperspannung, Tiefenmuskulatur, Beweglichkeit sowie Selbstwahrnehmung und Balance trainiert. Die moderne Sportart eignet sich für alle Menschen mit einem normal beweglichen Körper, unabhängig von Alter und Vorerfahrung.

„Die ältesten Damen, die bei uns einen Workshop belegten, waren weit über 60 Jahre alt“, betont die 27-jährige Cathleen Weber. In der Zwischenzeit denke ich, dass ich in Sachen Beweglichkeit gar nicht so weit vom Rentenalter entfernt bin. Während Franziska bei den Übungen grazil in der Luft zu schweben scheint, gleiche ich indes eher einem nassen Sandsack. Das könne sich allerdings innerhalb von drei bis vier Monaten ändern, beschwichtigt Andreas Fischer. Ich glaube ihm. Und während ich versuche, seine Trainerkollegin rücklings mit meinen Füßen in der Schwebe zu halten, merke ich, dass ich mich schon vier Zentimeter weiter dehnen kann als zu Beginn der Trainingsstunde. Das mit der Körperspannung und dem Loslassen zur Instrumentalmusik verinnerliche ich dann beim nächsten Akrobatik-Yoga-Lehrgang – hoffe ich zumindest.

Akro-Yoga

Kommentar: Franziska Biester über Perspektivwechsel

„Akro-Yoga“ klang für mich zunächst nach einem Oxymoron. Aggression und Entspannung? Kann das miteinander einhergehen? Der zweite Blick machte deutlich, was sich hinter der Abkürzung verbarg. Und bei „Akrobatik-Yoga“ war mein Interesse nicht nur geweckt, sondern hellwach.
Bedingt durch eine kurze Turnphase in der Kindheit habe ich eine Affinität zu allem, was mit Körperspannung und Beweglichkeit zu tun hat. Aber würde das reichen, um mit 35 Jahren eine neue Sportart zu erlernen? Ganz klar: Ja! Auch ohne Vorkenntnisse macht diese Form der Bewegung einfach nur Spaß. In relativ kurzer Zeit stellen sich Erfolge ein. Man spürt sich und seinen Körper wieder ganz bewusst. Der Perspektivwechsel lohnt sich. Keine Scheu. Probieren Sie es aus. Mit diesen Lehrern macht das Abhängen wirklich Freude.

Das Video zum Test

Mehr zu Akrobatik-Yoga in Erfurt

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