Kollektiver Freudentaumel in Erfurt: Letzte Party im Club-Eburg

Es ist nicht von einem Ende die Rede. Lediglich von einem Auszug. Und es herrscht auch bei Weitem keine Endzeitstimmung bei der letzten Party des Engelsburg-Vereins im Gewölbekeller des Clubs-Eburg in Erfurt am Samstag. Ein komischer Beigeschmack ist da allerdings schon. Ein Beigeschmack von Ungewissheit. Wird der neue Betreiber der Eburg alles umwerfen? Hat er komplett andere Pläne? Wird es je wieder eine Party geben, wie es sie in den vergangenen Jahren in der Eburg so oft gegeben hat?

Viele Fragen bleiben in Anbetracht der Zukunft des Clubs. Doch am Samstag stehen diese hinten an. Hunderte Menschen sind zur finalen Auszugsfeier gekommen. Halb Erfurt will sich von dem Studentenzentrum gebührend verabschieden. Deshalb war es auch eine gute Entscheidung des Veranstalters, alle Tore und Türen zu öffnen. Jeder Quadratzentimeter des Clubs steht Gästen zur Verfügung. Gar eine neue Tanzfläche ist eigens eingerichtet worden.

Die Eburg platze aus allen Nähten

Auf drei Floors, im Hof und in sämtlichen Gewölbe-Bars des Clubs drängen sich Menschen. Sie feiern, tanzen und stoßen auf die letzte Party an – genauso, wie es bei einer Abschiedsfeier sein muss. In einem kollektiven Freudentaumel lassen sie die vergangenen Jahre Revue passieren. Sechs DJs spielen Rock, Pop, 90er, Hip-Hop, Evergreens und Dancemusik. Teilweise ist in dem eng-verwinkelten Keller kein Vor und Zurück mehr. Die Eburg platzt aus allen Nähten. Etwa zwanzigminütige Wartezeiten an den Bars sind Voraussetzung, um in den Genuss eines kühlen Gerstensaftes zu kommen. Doch das stört die Besucher nicht, ebenso wenig wie die schwül-warme Luft und die Enge auf den Tanzflächen.

Die Leute vergnügen sich, was das Zeug hält. Genauso wie es sich der Engelsburg-Verein im Vorfeld auf seiner Facebook-Seite wünschte: „Gejammert wird jetzt nicht, wir wollen es noch einmal richtig mit euch krachen lassen“, appellierte er dort. Und die Partygäste lassen sich das nicht zweimal sagen.

Zukünftig solle es mehr Live-Musik geben

Die ganze Nacht feiern sie. Erst im Morgengrauen ist Schluss. Eine Ära geht nach 27 Jahren, in denen der Verein die Geschicke der Engelsburg steuerte, zu Ende. Wegen Mietrückständen hatte die Stadt Erfurt, der das Gebäudeensemble gehört, dem Betreiberverein Ende 2015 gekündigt . Beim darauffolgenden Interessenbekundungsverfahren im September vergangenen Jahres konnte sich der Eburg-Verein nicht durchsetzen. Ben Gutt von der Erfurter Musikagentur „Tonkombinat“ überzeugte die Stadträte mit seinem Konzept. Ab März obliegt dem gelernten Veranstaltungskaufmann die Verantwortung für den Club.

Dass es jetzt mit den Partys in der Eburg vorbei ist, bedeutet dieser Wechsel allerdings nicht. Laut Gutt soll es nach einigen kleineren Umbauten und Renovierungen in den kommenden Monaten weitergehen. Der neue Betreiber wies im Vorfeld darauf hin, dass er an Bewährtem festhalten wolle. Zukünftig werde es allerdings mehr Live-Musik in der Engelsburg geben – vor allem in den Musikrichtungen Indie und Elektro.

Der bunte Kultur- und Musikmix, für den die Engelsburg steht, soll indes Bestand haben. Und auch wenn die Zukunft ungewiss ist, die Eburg bleibt ganz bestimmt ein Anlaufpunkt für alle Erfurter, die zum Lachen – und natürlich auch zum Tanzen – gern mal in den Keller gehen. Denn es ist von einem Auszug die Rede – nicht von einem Ende.

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